Der Gast
Ostersonntag 2020. Ein privater Stiftungsgründer ohne Wählerauftrag erklärt 5,6 Millionen Tagesthemen-Zuschauern, wie sieben Milliarden Menschen geimpft werden sollen. Keine Gegenfrage. Kein Interessenkonflikt erwähnt. Eine IFG-Anfrage liefert die einzige Antwort auf die Frage: Wie kam das zustande?
Damals: Schwurbelei
Wer 2020 fragte, wie ein privater Stiftungsgründer ohne Wählerauftrag in die Hauptnachrichtensendung der ARD gelangt sei, um die globale Impfstrategie zu erläutern — galt als misstrauisch gegenüber Experten.
Wer auf Verbindungen zwischen der Gates-Stiftung und Medienorganisationen hinwies — galt als Anhänger von Verschwörungstheorien.
Heute: Akte
Tagesthemen, 12. April 2020 (Ostersonntag): Bill Gates trat als Interviewgast in den Tagesthemen auf und erläuterte 5,6 Millionen Zuschauern seine Einschätzung zur globalen Impfkampagne. Er sprach von der Notwendigkeit, sieben Milliarden Menschen zu impfen. Gegenfragen zu Interessenkonflikten wurden nicht gestellt. Die Sendung ist in ARD-Archiven dokumentiert.
IFG-Anfrage an ARD: Eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz an die ARD zur Frage, wie das Interview zustande kam und ob Absprachen mit der Gates-Stiftung bestanden, ist öffentlich auf FragDenStaat.de dokumentiert. Die Antwort der ARD verwies auf redaktionelle Unabhängigkeit und gab keine Auskunft über konkrete Kontaktwege.
Gates Foundation und Medienförderung: Die Bill & Melinda Gates Foundation hat nachweislich Mittel an Medienorganisationen vergeben, darunter journalistische Ausbildungsprogramme und Nachrichtenagenturen. Diese Förderungen sind auf der Website der Stiftung öffentlich ausgewiesen. Für ARD/Tagesthemen liegt keine direkte Förderung vor — wohl aber für Partnerorganisationen des europäischen Rundfunkverbunds.
PEI-Meldedaten: Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht Daten zu gemeldeten Verdachtsfällen auf Nebenwirkungen nach Impfungen. Diese sind öffentlich zugänglich und Teil der regulären Sicherheitsberichterstattung.
Was dieser Auftritt dokumentiert
Ein Privatmann mit globalen Impfstoff-Investitionen erläuterte in der größten deutschen Nachrichtensendung, warum sieben Milliarden Menschen geimpft werden sollten. Der öffentlich-rechtliche Sender stellte keine Frage zu Interessenkonflikten.
Das ist kein Beweis für Absprachen. Es ist ein Beleg dafür, was nicht gefragt wurde.
Hoffnung
Journalismus ist nicht nur, was gesendet wird. Er ist auch das, was gefragt wird.
IFG-Anfragen sind ein Werkzeug, das jedem offensteht.