Die immer gleichen Namen

Acht Namen für 84 Millionen Menschen. Wer saß am Tisch, als über Grundrechte entschieden wurde — und welche Verbindungen hatten diese Personen zu den Maßnahmen, die sie empfahlen?

Die immer gleichen Namen
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Acht Namen für 84 Millionen Menschen

Im Januar und März 2021 schrieben die Nachrichtenmagazine Spiegel und Focus einen unscheinbaren Satz, der mehr verrät als tausend Kommentare: Welche Experten Bundeskanzlerin Merkel bei ihren Corona-Beratungen immer wieder hinzuzog — und nannten acht Namen. Drosten. Wieler. Brinkmann. Betsch. Apweiler. Krause. Nagel. Meyer-Herrmann.

Acht Namen. 84 Millionen Menschen.

Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Frage, die jede funktionierende Demokratie stellen muss: Wer sitzt eigentlich am Tisch, wenn über Grundrechte entschieden wird? Und welche Verbindungen haben diese Personen zu den Maßnahmen, die sie empfehlen?

Damals: "Die Wissenschaft sagt..."

Wer erinnert sich nicht an diese Formel? Die Wissenschaft sagt, Schulen müssen schließen. Die Wissenschaft sagt, Masken helfen. Die Wissenschaft sagt, impfen ist der einzige Weg. Die Formel klingt wie eine Naturgewalt — unpersönlich, alternativlos, unantastbar.

Aber Wissenschaft ist kein Orakel. Sie entsteht in Institutionen. Und Institutionen haben Leitungen, Budgets, Förderer — und Interessen.

Was damals kaum jemand fragte: Welche Wissenschaft? Wessen Wissenschaft? Und: Wer hatte ein institutionelles Interesse daran, dass genau diese Empfehlungen herauskamen?

Die Personenkarte: USA

Anthony Fauci leitete das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) von 1984 bis 2022 — 38 Jahre. Er war das Gesicht der amerikanischen Pandemiepolitik. Was damals kaum thematisiert wurde: Das NIAID vergab über den Grant R01AI110964 Fördermittel an die EcoHealth Alliance, die diese wiederum ans Wuhan Institute of Virology weiterleitete — für Forschung an Coronaviren. Das ist durch Kongress-Dokumente belegt.

Im Februar 2020, als die Frage nach dem Ursprung des Virus gerade aufkam, schrieb Fauci eine E-Mail an NIH-Direktor Francis Collins — mit der Bitte, eine Nachricht nach dem Lesen zu löschen. Diese E-Mail wurde später durch eine FOIA-Anfrage öffentlich. Collins bestätigte ihren Empfang.

Im Januar 2025, in den letzten Stunden seiner Amtszeit, begnadigte Präsident Biden Fauci vorsorglich — mit der Begründung, ihn vor "grundlosen und politisch motivierten Ermittlungen" zu schützen. Fauci selbst betonte, er habe nichts Falsches getan.

Francis Collins, NIH-Direktor bis 2021, war Mitunterzeichner eines internen Briefes, der öffentliche Zweifel am natürlichen Ursprung des Virus als gefährlich für die Wissenschaft bezeichnete — bevor dieser Brief als scheinbar unabhängige Expertenmeinung veröffentlicht wurde. Das ist durch interne E-Mails dokumentiert, die später durch Kongressanfragen bekannt wurden.

Peter Daszak leitete die EcoHealth Alliance — jene Organisation, die US-Steuergelder nach Wuhan weiterleitete. Als die WHO 2021 eine Kommission einsetzte, um den Ursprung des Virus zu untersuchen, war Daszak Mitglied dieser Kommission. Er untersuchte damit teilweise Vorgänge, an denen seine eigene Organisation beteiligt war. Nachdem dies öffentlich bekannt wurde, zog er sich aus der Kommission zurück.

Deborah Birx, Koordinatorin der White House Coronavirus Task Force, beschrieb in ihrem 2022 erschienenen Buch Silent Invasion detailliert, wie sie intern Daten und Berichte so formulierte, dass die gewünschten Maßnahmen politisch durchsetzbar wurden — weil sie Widerstand aus dem Weißen Haus befürchtete. Es ist ihr eigenes Buch. Es sind ihre eigenen Worte.

Peter Hotez, Impfstoffforscher am Baylor College of Medicine, trat 2024 vor dem US-Kongress als Experte auf und berief sich auf eine Studie, die 3,2 Millionen durch Impfungen gerettete Leben errechnete. Kanadische Forscher des unabhängigen Instituts Correlation — Denis Rancourt und Joseph Hickey — legten 2024 dar, dass diese Zahl auf einer "kontrafaktischen theoretischen Berechnung" mit falschen Grundannahmen beruhe. Was Hotez nicht erwähnte: Er forscht selbst an einem staatlich geförderten Impfstoffkandidaten gegen Coronaviren — Corbevax — und bezieht dafür NIH-Fördergelder. Er trat als unabhängiger Experte auf. Sein finanzielles Interesse am Thema Impfstoffe blieb unerwähnt.

Die Personenkarte: Deutschland

Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, wurde durch den NDR-Coronavirus-Update-Podcast zum bekanntesten Wissenschaftler Deutschlands. Der Podcast erschien wöchentlich, wurde von Millionen gehört und hatte faktisch die Funktion einer offiziellen Kommunikation — produziert von einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, präsentiert von einem Wissenschaftler ohne gewähltes Mandat.

2021 bezeichnete Drosten die Autoren der Great Barrington Declaration — Wissenschaftler der Universitäten Harvard, Stanford und Oxford, die für einen alternativen, zielgerichteteren Ansatz plädierten — als "Pseudoexperten". Der Hauptautor dieser Erklärung, Jay Bhattacharya, ist seit 2025 Direktor der National Institutes of Health der USA. Drosten hat seine Einschätzung nicht korrigiert.

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts bis 2023, wollte laut einer Recherche von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR im Februar 2022 die offizielle Corona-Risikobewertung von "sehr hoch" auf "hoch" herabstufen — weil die Datenlage dies nahelegte. Bundesgesundheitsminister Lauterbach verhinderte dies durch direkte E-Mail-Kommunikation. Das ist durch interne E-Mails dokumentiert, die den drei Medien vorlagen. Wieler setzte die Herabstufung erst Monate später um.

Das Robert Koch-Institut ist dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt. Eine institutionelle Unabhängigkeit von politischen Weisungen ist strukturell nicht vorgesehen.

Lars Schaade, Vize-Präsident des RKI, erklärte vor Gericht, die Risikobewertung habe "normativen Charakter" und gehöre damit zum Bereich des politischen "Managements" — nicht der Fachebene. Die Bundesregierung bestätigte in einer parlamentarischen Anfrage, dass die Fachebene des RKI an der Hochstufung der Risikobewertung im März 2020 "nicht beteiligt" war.

Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister, intervenierte laut den vorliegenden E-Mails direkt in die wissenschaftliche Risikobewertung einer nachgeordneten Behörde. Er bezeichnete sein Vorgehen rückblickend als richtig.

Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats von 2020 bis 2024, erklärte im Juni 2021 im ZDF, Impfverhalten sei "ansteckend" — der soziale Mitmachwirkung könne auch bei "Impfskeptikern in wohlhabenden Stadtteilen" beobachtet werden. Der Ethikrat ist das Gremium, das Maßnahmen ethisch prüfen soll. In diesem Moment warb er mit verhaltenspsychologischen Argumenten für sie.

Was diese Personenkarte zeigt

Kein einziger dieser Befunde belegt eine Verschwörung. Aber zusammengenommen zeigen sie ein Muster, das jede Demokratie beschäftigen müsste:

Mehrere der zentralen Wissenschaftler, die Maßnahmen empfahlen, hatten finanzielle oder institutionelle Verbindungen zu den Lösungen, die als einzige propagiert wurden. Die Kontrollgremien — Ethikrat, Risikobewertung, WHO-Untersuchungskommission — wurden teilweise mit Personen besetzt, deren Unabhängigkeit zumindest fraglich war. Und die politische Einflussnahme auf wissenschaftliche Behörden ist heute nicht mehr Behauptung, sondern durch Dokumente belegt.

Das ist kein Versagen einzelner Menschen. Es ist ein strukturelles Problem — und ein lösbares.

Heute: Was sich verändert hat

Unter dem neuen NIH-Direktor Jay Bhattacharya — jenem "Pseudoexperten" von 2021 — wurden die Transparenzregeln für Interessenkonflikte bei Förderanträgen verschärft. Wer NIH-Gelder erhält, muss künftig umfassender offenlegen, welche Verbindungen er zu Industrie und Pharmaunternehmen hat.

Das ist eine kleine Änderung. Aber sie zeigt, dass es geht — wenn der politische Wille vorhanden ist.

Demokratien brauchen keine fehlerfreien Institutionen. Sie brauchen Institutionen, die ihre Fehler sichtbar machen können. Transparenz ist keine Schwäche. Sie ist das Fundament des Vertrauens, das wir in den letzten Jahren so dringend gebraucht hätten.

Die Frage, wer am Tisch sitzt — und welche Interessen er mitbringt — ist keine Verschwörungstheorie. Sie ist das Mindeste, was eine Demokratie von ihren Institutionen verlangen darf.

Quellen:

https://www.focus.de/politik/deutschland/politik-im-check-meine-frage-focus-de-laesst-sich-merkel-in-der-corona-pandemie-zu-einseitig-beraten_id_12327119.html

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