Die Rechnung, die nicht aufgeht
1,6 Millionen Leben gerettet – so lautete die Schlagzeile. Aber was steckt wirklich hinter dieser Zahl? Und was sagen die tatsächlichen Sterbedaten aus Deutschland?
Die Zahl stand in allen Schlagzeilen. Groß, beruhigend, endgültig: 1,6 Millionen Menschenleben gerettet – allein in Europa, allein durch die Corona-Impfungen. Eine WHO-Studie, veröffentlicht 2024, von Focus bis Tagesschau weitergetragen. Wer hätte da noch Fragen stellen wollen?
Dabei wäre genau das die journalistische Kernaufgabe gewesen.
Was die Zahl bedeutet – und was sie verschweigt
"1,6 Millionen Leben gerettet" ist keine Beobachtung. Es ist ein Modell. Und jedes Modell steht und fällt mit seinen Annahmen.
Stell dir vor, du möchtest wissen, ob ein neuer Deich in einer Stadt Häuser vor Überschwemmung geschützt hat. Du vergleichst die Zahl der überfluteten Häuser mit Deich mit der Zahl, die ein Computer ohne Deich simuliert. Wenn der Computer annimmt, es hätte ohne Deich einen Monsun gegeben, der tatsächlich gar nicht kam, sieht der Deich großartig aus – unabhängig davon, was er wirklich geleistet hat.
Genau das ist das methodische Problem der WHO-Studie. Eine kanadische Forschungsgruppe um die Gesamtmortalitäts-Experten Rancourt und Hickey legte dar, dass die Berechnungen auf "kontrafaktischen theoretischen Annahmen" beruhen – also auf einem simulierten Szenario, das nie stattfand. Die Infektionssterblichkeitsrate und die Impfwirksamkeit wurden in das Modell eingesetzt, nicht aus der Realität abgelesen. Das Ergebnis: "phantastische und nicht verifizierbare" Schlussfolgerungen.1
Eine Gruppe von Forschern versuchte, einen Widerspruch in der zuständigen Fachzeitschrift zu veröffentlichen. Er wurde abgelehnt – obwohl alle formalen Anforderungen erfüllt waren.2
Relative und absolute Wirksamkeit: Der Unterschied, der alles ändert
Als die Impfkampagne anlief, sprachen Politiker und Medien von "95 Prozent Wirksamkeit". Das war keine Lüge – aber auch nicht die ganze Wahrheit.
Hier ist der Unterschied, bildhaft erklärt:
Stell dir 10.000 Menschen vor. In der Placebogruppe erkranken 8 schwer an Covid. In der Impfgruppe sind es nur 1. Die relative Risikoreduktion beträgt rund 87 Prozent – beeindruckend. Die absolute Risikoreduktion beträgt 0,07 Prozent – sieben von zehntausend.
In der tatsächlichen Pfizer-Zulassungsstudie mit rund 44.000 Teilnehmern lag die absolute Risikoreduktion bei 0,7 Prozent.3 Diese Zahl – die entscheidende für den individuellen Nutzen – wurde in der öffentlichen Kommunikation kaum je genannt. In einem Gerichtsverfahren wurde der Hersteller gebeten, einen konkreten Menschen zu nennen, dessen Tod durch das Vakzin verhindert wurde. Das sei empirisch nicht möglich, so die Antwort.4
Das Paradox der Daten
Hier zeigt sich ein Muster, das offene Fragen aufwirft.
Das Jahr 2020 – das Jahr vor dem Impfstart – war in Deutschland nach Daten des Statistischen Bundesamts kein Jahr mit auffälliger Übersterblichkeit. Die Zahl der Todesfälle bewegte sich im erwarteten Bereich.5
Ab 2021, mit dem Beginn der Impfkampagne, änderte sich das Bild. Die Übersterblichkeit stieg: rund 35.000 zusätzliche Todesfälle in 2021, etwa 65.000 in 2022, Schätzungen für 2023 reichen bis 100.000.6 Das Bundesgesundheitsministerium schloss auf Nachfrage einen Zusammenhang mit der Impfung kategorisch aus – räumte aber gleichzeitig ein, dass die Maßnahmen selbst Menschenleben gekostet haben.7
Die Frage, warum die Übersterblichkeit in Deutschland genau dann beginnt, als die Impfkampagne startet, und sich in den Folgejahren verstärkt – diese Frage wurde nie systematisch untersucht. Im Bundestag wurden entsprechende Anträge für eine Untersuchungskommission abgelehnt.8
Gegenüberstellung
| Behauptung (damals) | Datenlage (heute) |
|---|---|
| "95% wirksam" | Absolute Risikoreduktion: 0,7% |
| "1,6 Millionen Leben gerettet" | Modell mit bestrittenen Annahmen |
| 2020: Keine auffällige Übersterblichkeit | Bestätigt durch Destatis |
| Impfung senkt Sterblichkeit | Übersterblichkeit beginnt mit Impfstart 2021 |
| Nebenwirkungen "selten und mild" | PEI-Warnsignale wurden monatelang zurückgehalten9 |
Anmerkung: Korrelation ist keine Kausalität. Das gilt in alle Richtungen.
Was das nicht bedeutet
Dieser Text behauptet nicht, dass die Impfung schadet. Er behauptet nicht, dass die Übersterblichkeit durch Impfungen verursacht wurde. Das wäre – ebenso wie die Behauptung des Gegenteils ohne belastbare Daten – eine Überschreitung dessen, was die verfügbare Evidenz hergibt.
Was er behauptet: Die Zahl "1,6 Millionen gerettet" ist kein Befund, sondern eine Modellrechnung. Die "95% Wirksamkeit" war eine irreführende Darstellung relativer Risikodaten. Und die Frage, was die Übersterblichkeit der Folgejahre verursachte, ist bis heute nicht ernsthaft untersucht worden.
Das sind keine Verschwörungstheorien. Das sind offene Fragen, die in einer Demokratie beantwortet werden sollten.
Warum das wichtig bleibt
Die Methoden, mit denen die Öffentlichkeit während der Pandemie informiert wurde, sind nicht verschwunden. Relative statt absolute Risikozahlen, Modelle als Fakten, Gegenstimmen ohne Veröffentlichungsmöglichkeit – das sind Werkzeuge, die immer dann eingesetzt werden können, wenn die nächste Gesundheitskrise kommuniziert wird.
Wer versteht, wie damals gerechnet wurde, ist beim nächsten Mal besser vorbereitet. Nicht um Misstrauen zu säen, sondern um die richtigen Fragen zu stellen – rechtzeitig, nicht erst im Rückblick.
Und die richtige Frage lautet: Wie viele wurden tatsächlich gerettet – und wie wurde diese Zahl ermittelt?
Das ist keine Frage von Impfgegnern. Das ist die Frage, die jede Bürgerin und jeder Bürger stellen darf.
Quellen
- Rancourt/Hickey (Correlation Research), 2024: Kritik an Modellstudien zu "geretteten Leben" durch COVID-Impfungen; kanadische Non-Profit-Forschungsorganisation, Vorabveröffentlichung. Zusammengefasst in: uncut-news.ch, "Neuer Bericht: Müll-Wissenschaft hinter den Behauptungen…" ↩
- Berliner Zeitung, Dezember 2024: "Kritik an WHO-Studie: Hat die Corona-Impfung wirklich Millionen Leben gerettet?" – Dokumentation der abgewiesenen Gegendarstellung trotz erfüllter formaler Anforderungen. berliner-zeitung.de ↩
- Pfizer-Zulassungsstudie (Comirnaty), veröffentlicht 2021; ca. 44.000 Teilnehmer. Relative Risikoreduktion: ~95%. Absolute Risikoreduktion: ~0,7%. Dargestellt auch im Urteilstext des dokumentierten Gerichtsverfahrens; Berliner Zeitung, "Corona-Impfkampagne: Beruhte sie auf der Vorspiegelung falscher Tatsachen?" berliner-zeitung.de ↩
- Gerichtsverfahren gegen Impfstoffhersteller (Klagetext): Aufforderung, einen konkret durch Impfung geretteten Menschen zu benennen – als empirisch nicht möglich bezeichnet. Gesamtmortalitätsdaten des Statistischen Bundesamts (Destatis) als Grundlage. ↩
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Sterbefallzahlen 2020 – keine signifikante Übersterblichkeit im Pandemiejahr ohne Impfung. destatis.de ↩
- Diverse Auswertungen der Destatis-Daten; zusammengefasst u.a. im Klagetext (s. FN 4). Für 2022: Statistisches Landesamt NRW, 234.176 Sterbefälle – historischer Höchstwert. NZZ, "Warum war die Übersterblichkeit 2022 so hoch?" nzz.ch ↩
- Befragung des Bundesgesundheitsministers (Barucker-Dokumentation auf X/Twitter): Zusammenhang mit Impfung kategorisch ausgeschlossen; Maßnahmen als Todesursache anerkannt. ↩
- 577 gegen 71 – Abstimmungsergebnis zur Corona-Untersuchungskommission im Deutschen Bundestag. Mehrheit verhinderte die Einrichtung. ↩
- Paul-Ehrlich-Institut: Warnung vor Impfnebenwirkungen wurde monatelang zurückgehalten. pleiteticker.de; Berliner Zeitung, "Corona-Impfstoffe: Zum Fremdschutz haben sich vorwiegend immunologische Dilettanten geäußert" berliner-zeitung.de ↩