Generation Corona: Was die Enquete-Kommission über Schulschließungen herausgefunden hat
Im April 2026 hörte die Enquete-Kommission Experten zur 'Generation Corona' an. Die Ergebnisse sind ernüchternd.
Im April 2026 trat die Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie" zusammen, um eine Frage zu stellen, die lange verdrängt wurde: Was haben wir den Kindern angetan? Die Anhörung unter dem Titel „Generation Corona?" brachte Experten aus Pädagogik, Psychologie und Gesundheitswesen zusammen – und ihre Antworten waren unbequem.
Was die Zahlen sagen
Die Befundlage ist inzwischen klar: Die Schulschließungen hatten erhebliche negative Auswirkungen. Kinder und Jugendliche wiesen während der Schulschließungen bis zu 75 Prozent häufiger Depressionssymptome auf als vor der Pandemie. Nach dem ersten Lockdown zeigten etwa 25 Prozent der Jugendlichen deutliche Symptome von Depressivität – gegenüber 10 Prozent vor der Pandemie.
Besonders betroffen: Kinder zwischen 11 und 14 Jahren, Mädchen, Jugendliche mit Migrationshintergrund, und Kinder aus einkommensschwachen Familien. Die Lernrückstände bestehen laut aktuellen Studien für viele Schülerinnen und Schüler bis heute fort.
Das Dilemma, das keine einfache Antwort hat
Wer redlich aufarbeitet, muss auch anerkennen: Die Entscheidungen wurden in einer Phase extremer Unsicherheit getroffen. Im Frühjahr 2020 war unklar, wie das Virus sich verhielt, wie gefährlich es für Kinder war, ob Schulen Treiber der Übertragung seien. Entscheidungen unter Unsicherheit zu fällen ist unvermeidlich – sie im Nachhinein zu beurteilen ist leichter.
Gleichzeitig gilt: Einige Länder öffneten Schulen deutlich früher – mit vertretbaren Infektionsfolgen. Diese Frage stellt die Enquete-Kommission zu Recht.
Was die Kommission untersucht
Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages arbeitet unter Vorsitz von Franziska Hoppermann (CDU/CSU) und soll bis Ende Juni 2027 einen Abschlussbericht vorlegen. Neben der Frage der Schulschließungen untersucht sie die Impfstrategie, die demokratische Kontrolle und das föderale Krisenmanagement.
Warum Aufarbeitung keine Schuldzuweisung sein muss
Das Wort „Aufarbeitung" löst bei manchen Abwehrreflexe aus – als ob es nur darum ginge, Schuldige zu benennen. Echte Aufarbeitung geht tiefer. Sie fragt: Welche Strukturen haben zu welchen Entscheidungen geführt? Was haben wir daraus gelernt?
Die Kinder und Jugendlichen, die heute mit den Folgen leben, haben Anspruch darauf, dass ihre Erfahrungen ernstgenommen werden. Nicht als politische Munition – sondern als menschliche Realität, die zählt.
Richtig erinnern heißt: genau hinschauen, ohne zu verurteilen, aber auch ohne wegzuschauen.
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