Die Menschen hinter der Maske zeigen ihr wahres Gesicht

Vier dokumentierte Fälle: Wer die Maskenpflicht verordnete, hielt sich selbst oft nicht daran.

Die Menschen hinter der Maske zeigen ihr wahres Gesicht
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Vier Fälle. Vier Menschen, die anderen eine Pflicht auferlegten, die sie selbst nicht für nötig hielten. Keine Gerüchte, keine Vermutungen – nur das, was ohnehin schon in Zeitungsarchiven, Bundestags-Drucksachen und dpa-Meldungen steht. Man muss es nur nebeneinanderlegen.

Fall 1: Der Gesundheitsminister und das Dinner

Damals: Am 20. Oktober 2020 warnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im ZDF-Morgenmagazin eindringlich vor privaten Kontakten und Feiern in der Pandemie.

Heute (dokumentiert): Am selben Abend nahm Spahn in Leipzig an einem Spendendinner mit rund einem Dutzend Unternehmern teil – organisiert von einem befreundeten PR-Unternehmer. Am Tag danach wurde sein positiver Corona-Test bekannt.1 Im Nachgang flossen Spenden an seinen Kreisverband – exakt 9.999 Euro, einen Euro unter der gesetzlichen Veröffentlichungsgrenze.2 Die Grünen-Politikerin Britta Haßelmann brachte es gegenüber dem Tagesspiegel auf den Punkt: Wer morgens vor Kontakten warnt und abends selbst beim Dinner sitzt, handle nicht glaubwürdig.1

Fall 2: Der Ministerpräsident und die Wiesn

Damals: Markus Söder gehörte zu den entschiedensten Befürwortern strenger Maskenregeln. Einen Tag vor seinem Oktoberfest-Besuch 2022 stimmte er im Bundesrat der Maskenpflicht für den Herbst zu.

Heute (dokumentiert): Beim Oktoberfest und zahlreichen weiteren bayerischen Volksfesten zeigte sich Söder ohne Maske – was laut dpa-Meldung für Kritik sorgte.3 Auf Nachfrage von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach reagierte Söder gereizt: Die Bundesregierung habe die Feste schließlich genehmigt.3

Fall 3: Der Kanzler, der Minister und die 25 Journalisten

Damals und heute gleichzeitig: Während für Bus- und Bahnfahrten sowie Inlandsflüge in Deutschland durchgehend eine gesetzliche Maskenpflicht galt (§28b Infektionsschutzgesetz), saßen im August 2022 mehr als 80 Passagiere – darunter Bundeskanzler Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Robert Habeck und 25 mitreisende Journalisten – über Stunden eng beieinander im Regierungsflieger nach Kanada. Ohne Maske.4

Die Bundesregierung berief sich darauf, dass für Luftwaffenflüge keine Maskenpflicht gelte – ein PCR-Test vor Abflug reiche aus.5 Die Rechtsanwältin Jessica Hamed widersprach: Die Ausnahme sei juristisch kaum haltbar und "beschämend" – Bundesregierung und Kanzler hielten es offenbar für unproblematisch, was sie Millionen Bürgern in Bus, Bahn und Flugzeug weiterhin vorschrieben.5

Fall 4: Der RKI-Chef, der seine eigene Behörde widerlegte

Damals: Mitten in der schärfsten Phase der FFP2-Pflicht schrieb RKI-Präsident Lothar Wieler im Juni 2021 einen Brief an das Bundesgesundheitsministerium.

Heute (dokumentiert): Darin stellte Wieler fest, dass FFP2-Masken bei Laien – etwa beim Einkaufen oder im Nahverkehr – keine größere Wirkung zur Eindämmung der Pandemie entfalten als eine gewöhnliche OP-Maske.6 Der Grund: falsches Tragen durch medizinische Laien. Die politische FFP2-Pflicht blieb davon zunächst unberührt – der Chef der zuständigen Bundesbehörde widersprach der eigenen Regierungslinie, ohne dass sich sofort etwas änderte.6

Das Muster

Vier Fälle, ein wiederkehrendes Element: Wer die Regel erlässt, kennt ihre Grenzen genau – und wendet sie trotzdem konsequent auf andere an, während für sich selbst großzügige Ausnahmen gefunden werden. Nicht aus Bosheit, sondern aus einer stillen Selbstverständlichkeit heraus: Die Regel ist für die anderen gemacht.

Das ist keine Verschwörung. Es ist etwas Banaleres und deshalb Beunruhigenderes: die Normalität von Doppelstandards in Krisenzeiten, dokumentiert von genau jenen Medien, die die Maßnahmen überwiegend mittrugen.

Hoffnung

Der Wert dieser Dokumentation liegt nicht darin, Wut zu schüren. Er liegt darin, dass all das öffentlich, belegt und nachprüfbar ist – in Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Handelsblatt und Bundestags-Drucksachen, nicht in obskuren Kanälen. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, fängt nicht mit Anklagen an, sondern mit der einfachen Frage: Für wen gilt eine Regel eigentlich – für alle, oder nur für die, die sie nicht selbst gemacht haben? Diese Frage zu stellen, ist kein Misstrauen gegenüber dem Staat. Es ist die Grundlage jeder funktionierenden Demokratie.

Quellen:

  1. Tagesspiegel: Dinner mit Unternehmern – Kritik an Jens Spahns Spendendinner am 20.10.2020 in Leipzig, Aussage von Britta Haßelmann (Grüne)
  2. Tagesspiegel: 9.999 Euro Spende an Spahns Kreisverband, einen Euro unter der Veröffentlichungspflicht
  3. dpa/nordbayern.de, 17.10.2022: Söders Auftritte ohne Maske auf dem Oktoberfest und weiteren bayerischen Volksfesten, Reaktion auf Lauterbach-Kritik
  4. Handelsblatt/Berliner Zeitung, August 2022: Regierungsflug nach Kanada, 80 Passagiere darunter 25 Journalisten ohne Maske
  5. Berliner Zeitung, 23.08.2022: Bundesregierungs-Stellungnahme zur Maskenpflicht im Luftwaffenflieger; juristische Einschätzung von Rechtsanwältin Jessica Hamed
  6. Berliner Zeitung, Juli 2021: Brief von RKI-Präsident Lothar Wieler ans Bundesgesundheitsministerium zur Wirkung von FFP2-Masken bei Laien