Ein Sohn, ein Hemdenhersteller und 38 Millionen Euro ohne Ausschreibung

NRW, Van Laack und der Laschet-Sohn: Wie persönliche Netzwerke in der Krise zu öffentlichen Aufträgen wurden — und was das Muster dahinter ist.

Ein Sohn, ein Hemdenhersteller und 38 Millionen Euro ohne Ausschreibung
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Ein Sohn, ein Hemdenhersteller und 38 Millionen Euro ohne Ausschreibung

Joe Laschet ist Influencer und Model. Sein Vater war Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Im Frühjahr 2020 vermittelte Joe Laschet einen Kontakt zwischen der Landesregierung NRW und dem Mönchengladbacher Hemdenhersteller Van Laack. Kurz darauf unterschrieb NRW einen Vertrag über 38,5 Millionen Euro — ohne Ausschreibung.

Van Laack stellte normalerweise Oberhemden her. Ab Frühjahr 2020 nähte die Firma Schutzkittel und Masken für das Land.

Was Van Laack war — und was es nicht war

Van Laack ist kein windiger Briefkastenhändler wie Emix. Das Familienunternehmen existiert seit 1881, hat Produktionsstätten und Lieferketten. Die schnelle Umstellung auf Schutzkleidung war technisch möglich.

Aber: „Made in Germany" war die Umstellung nur zum Teil. Die tatsächliche Produktion lief zu erheblichen Teilen in Tunesien und Vietnam — wie in der Textilindustrie üblich. Die politische Erzählung, man stärke heimische Produktion in der Krise, stimmte so nicht.

Und die Qualität?

Kliniken berichteten von Kittel, die beim Anziehen rissen. Das Land NRW musste reklamieren und nachbessern lassen.

Was der Unterschied zu Emix ist — und was nicht

Emix (Bund/Bayern/NRW) Van Laack (NRW)
Firmentyp Neu gegründete Handelsfirma, keine Erfahrung Etablierter Textilhersteller seit 1881
Volumen ~750 Mio. € (Bund) + Länderkäufe ~38,5 Mio. € + weitere (Polizei)
Vermittlung Andrea Tandler, CSU-Netzwerk Joe Laschet, Sohn des Ministerpräsidenten
Provision ~48 Mio. € (Tandler, steuerhinterziehend) Keine Provision laut Beteiligten
Qualität Bis 48 % mangelhaft (TÜV Nord) Qualitätsbeschwerden, aber kein Totalausfall
Ausschreibung Keine Keine
Rechtliche Folgen Verurteilung Tandler (4,5 Jahre) Keine strafrechtlichen Konsequenzen

Der entscheidende Unterschied: Van Laack produzierte tatsächlich etwas. Bei Emix floss ein Gutteil des Geldes als Handelsmarge durch eine frisch gegründete Firma hindurch.

Der entscheidende Gleichklang: In beiden Fällen öffnete ein persönlicher Kontakt die Tür zu einem öffentlichen Auftrag — ohne Wettbewerb, ohne unabhängige Prüfung.

Was Armin Laschet sagte

Laschet verteidigte den Deal als Notfallhilfe. Er habe sich in der Krise „die Hände wund telefoniert". Sein Sohn habe keine Provision erhalten, nur einen Kontakt vermittelt.

Als die Opposition den Fall als Vetternwirtschaft bezeichnete, nannte Laschet das „schäbig".

Was das Muster zeigt

Emix und Van Laack sind keine Ausreißer. Sie sind Beispiele eines Systems, das in der Krise sichtbar wurde: Wenn staatliche Beschaffung unter extremem Zeitdruck steht und normale Vergaberegeln ausgesetzt werden, fließen Aufträge durch persönliche Netzwerke.

Das ist nicht zwingend kriminell. Aber es ist auch nicht das, was ein Rechtsstaat unter Transparenz versteht.

Der Sudhof-Bericht dokumentiert für den Bund systematisch, was in den Ländern parallel lief: Schnelle Entscheidungen, dünne Dokumentation, Verträge ohne Wettbewerb, Qualitätsprobleme — und hinterher die Frage, wer eigentlich im Interesse des Steuerzahlers gehandelt hat.

Primärquellen: Sudhof-Bericht (ungeschwärzt via FragDenStaat), Bundesrechnungshof-Berichte, Landtagsprotokolle NRW, Medienberichte NDR/WDR/SZ.