Diese Woche vor fünf Jahren: Die Woche, in der geworben wurde

Vom 13. bis 19. September 2021 lief #HierWirdGeimpft — der letzte große Versuch, die Impfquote über Angebote statt über Druck zu erhöhen. Vier Wochen später begann etwas anderes.

Diese Woche vor fünf Jahren: Die Woche, in der geworben wurde

Am Montag, dem 13. September 2021, begann in Deutschland die bundesweite Aktionswoche #HierWirdGeimpft. Sie lief bis zum 19. September. Der Aufruf kam vom Bundesgesundheitsministerium, getragen wurde er von einem ungewöhnlich breiten Bündnis: Ländern, Kommunen, Ärztekammern, Sportverbänden, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Supermarktketten.

Das Ziel war klar benannt: die Impfquote erhöhen. Die Methode war es auch — niedrigschwellige Angebote überall dort, wo Menschen ohnehin sind. Im Sportverein. Vor dem Supermarkt. In der Beratungsstelle. Im Impfbus vor der Moschee.

Vor Beginn der Woche waren knapp 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Kurve hatte sich seit dem Sommer merklich abgeflacht.

Was die Aktionswoche war — und was sie nicht war

Rückblickend lohnt es sich, diese Woche genau von dem zu unterscheiden, was danach kam.

#HierWirdGeimpft arbeitete mit Angeboten. Es gab keine Pflicht, keinen Ausschluss, keine Sanktion. Die zugrunde liegende Annahme war: Ein erheblicher Teil der noch nicht Geimpften ist nicht überzeugungsresistent, sondern schlicht nicht dazu gekommen — weil der Termin nicht passte, der Weg zu weit war, die Website eine Hürde darstellte, die Sprache fehlte.

Diese Annahme war zu einem guten Teil richtig. Genau deshalb ist die Woche in der Rückschau interessant. Sie markiert den letzten großen Versuch, das Ziel über Zugänglichkeit statt über Druck zu erreichen.

Der Wendepunkt danach

Was auf diese Woche folgte, ging in eine andere Richtung. Bereits am 11. Oktober 2021 endeten die kostenlosen Bürgertests für die meisten Menschen — eine Maßnahme, die ausdrücklich damit begründet wurde, dass allen ein Impfangebot vorliege. Im November folgten die 2G- und 3G-Regelungen am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum, im Dezember die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht.

Innerhalb weniger Wochen verschob sich das Instrument also vom Werben zum Ausschließen. Wer wissen will, wann diese Verschiebung begann, findet in der Aktionswoche einen brauchbaren Marker: Sie war das Ende der Angebotsphase.

Die Frage, die selten gestellt wurde

Es gibt eine Auswertungsfrage, die damals kaum jemand öffentlich gestellt hat und die auch später kaum beantwortet wurde: Wie viel hat die Aktionswoche tatsächlich gebracht?

Die Impfquote stieg im Herbst 2021 weiter, aber langsam. Wie viel davon auf die Aktionswoche zurückgeht und wie viel auf Auffrischungskampagnen, saisonale Effekte oder den wachsenden Druck durch 2G, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Zahlen nicht sauber trennen. Eine belastbare Wirksamkeitsauswertung der Woche selbst ist nicht bekannt geworden.

Das ist kein Vorwurf an die Beteiligten. Kampagnenwirkung ist schwer zu isolieren. Aber es ist eine Lücke, die etwas über die damalige Prioritätensetzung sagt: Es wurde viel darüber gesprochen, welches Instrument als Nächstes eingesetzt werden sollte — und wenig darüber, wie gut das vorherige gewirkt hatte.

Diese Reihenfolge — neues Instrument vor Auswertung des alten — findet sich in der Pandemiepolitik an mehreren Stellen. Sie ist vielleicht der wichtigste einzelne Punkt, den eine ehrliche Aufarbeitung festhalten sollte.

Was bleibt

Zwei Dinge lassen sich aus dieser Woche mitnehmen, ohne jemanden anzuklagen.

Erstens: Der Ansatz war klug. Hindernisse abzubauen statt Menschen zu überreden, ist in fast jedem Politikfeld die wirksamere und die respektvollere Methode. Der Impfbus vor dem Supermarkt hat niemanden zu etwas gezwungen und trotzdem etwas verändert.

Zweitens: Der Ansatz bekam zu wenig Zeit. Sechs Tage sind keine Strategie. Eine Kampagne, die auf Zugänglichkeit setzt, braucht Monate, um die Menschen zu erreichen, die am schwersten erreichbar sind — und sie braucht eine Auswertung, bevor man sie durch etwas Härteres ersetzt.

Wer heute über Vorsorge für die nächste Gesundheitskrise nachdenkt, findet hier eine der wenigen unstrittig positiven Erfahrungen dieser Jahre. Sie zu erinnern, ist mindestens so nützlich wie das Erinnern der Fehler.